Fertig-Mohn-Packungen und andere weltbewegende Katastrophen

Wie ihr ja wisst habe ich im September meinen Bundesfreiwilligendienst angefangen. Jedoch habe ich euch-soweit ich weiß- noch nie erzählt, was ich nun überhaupt in der ganzen Zeit (in der ich nicht mehr Couch Potato spielen darf) anfange. Die meisten denken jetzt wahrscheinlich: Kita/ Hort/ Grundschule….(und wirklich: bei dem Seminar von dem ich euch schon erzählt hatte, waren sicher 90% aller Bufdis aus diesem Bereich.) Ich gehöre nichtsdestotrotz zu den Auserwählten, den besonderen 10%, die nicht dazu genötigt werden, Windeln zu wechseln, über unlustige Kinderwitze zu lachen oder Hausaufgaben zu korrigieren. Ich befasse mich stattdessen den lieben langen Tag mit Essen. (Hell yeah, mein Lieblingshobby ist zu meinem Job geworden.)

Aber nein, Leute. Ich muss euch (bzw. mich) leider enttäuschen. Ganz in dem Sinne funktioniert das leider nicht, außer man ist zufällig Restauranttester. (Mein ehemaliger Traumberuf, bis ich erfahren habe, wie viel man da verdient und was für ein stressiges Leben man hat.) Nein, womit ich hauptsächlich zu tun habe, ist Ernährung. Ich bin im Ernährungszentrum tätig und habe einen Haufen andere Aufgaben zu erledigen, die leider nichts mit Schlemmen zu tun haben. So schöne Dinge wie Wäsche waschen, Küche aufräumen, Spülmaschine ausräumen, etc. Also wie ein Freund von mir treffend formulierte: Auf den Punkt gebracht: Du machst eine Ausbildung zur Frau.

Trotzdem bekommt man dort aber eindeutig mehr Essen „aufs Haus“ geboten, wie in jeglichen anderen Stellen. Hilft man zum Beispiel bei den Koch-Workshops, isst man hinterher mit und wenn dabei noch viel übrig bleibt, hat man für das Mittagessen am nächsten Tag schon vorgesorgt. Da gibt es dann nämlich Reste-Essen und ich muss mir morgens nicht in Hektik noch ein Brot schmieren und zu spät kommen, weil ich mal wieder im Nebel der Schlaftrunkenheit nicht daran gedacht habe, dass ich ein Mensch bin, der- wie es die Natur vorschreibt- über den Tag hinweg Hunger bekommt.

Ab und zu kommt es auch vor, dass ich selbst Rezepte ausprobieren darf oder Kolleginnen etwas kochen/ backen, dass wir dann später vertilgen dürfen. So gesehen, Leute: Wenn ihr wie ich Spaß am Kochen, Backen und Essen habt- klopft mal beim Ernährungszentrum an.

Was mich jedoch stört (ja, wir nähern uns nun dem eigentlichen Thema dieses Beitrags…) ist die Kleinlichkeit und übertriebene Genauigkeit meiner Kolleginnen. Ja, ich verstehe es ja, dass Hygiene vorallem in einem Ernährungszentrum mit Großraumküche wichtig ist, aber ganz ehrlich….wenn dir eine Frau mit ernster Miene erklärt, dass im Speisesaal bei einer Tischdecke die nach innen geknickte Falte zum Fenster und die nach außen geknickte zur Tür liegen muss, wegen dem Schattenwurf…Duuh!, da fällt es mir dann doch äußerst schwer nicht die Augen zu verrollen und so Dinge zu erwidern wie Ach richtig, soll ich dann nicht gleich auch noch das Lineal holen um zu messen ob der Vorhang am Fenster auf der einen Seite auch 1/4 weiter zugezogen ist als auf der anderen? Sie wissen schon, wegen dem Schattenwurf…

Aber nein, sowas sage ich natürlich nie. Äußerlich bin ich immer das brave Mädchen, das auf Hüh und Hott springt und stets bemüht ist. (Stets bemüht-Status, da ich als schusseliger Mensch immer noch eindeutig zu vieles falsch mache und vergesse. Ich sehe es jedoch als mein Talent, dies ziemlich gut vertuschen zu können…)

Jedenfalls gibt es viele solcher Momente, in denen ich mir gerne ins Bein schießen würde. Einfach weil ich die Unnötigkeit mancher Dinge nicht ertrage, mit denen man sich hier rumschlägt, während so viele Menschen weltweit mit richtigen, lebensbedrohlichen Problemen zu kämpfen haben. (Moralischer Aspekt meines Beitrags: Check✔️)

Ein weiteres Beispiel, das die Einstellung der Hauswirtschafterinnen/ Ernährungswissenschaftlerinnen/ Oecothrophologinnen (und wie man sie auch immer nennen mag) sehr gut beschreibt ist Folgendes:

Stellt euch vor ihr steht im Kochsaal des Ernährungszentrums, alle Kolleginnen und Referentinnen sind zusammen gekommen, denn heute ist Tag der Multiplikatorinnen (kompliziertes und unnötiges Wort für Referentinnen). Es wurde anlässlich ihrer ein Vortrag vorbereitet (Thema: Die Bedeutung von Sport neben gesunder Ernährung. Ja, ich habe mich etwas unwohl gefühlt.) Nachdem dieser abgewickelt wurde, soll es nun zur Feier des Tages noch Hefezopf und Mohnschnecken geben. (Da habe ich mich schon wieder besser gefühlt.) Ein Bäckermeister führt nun vor, wie ihm das in der Lehre beigebracht wurde. Erst präsentiert er stolz verschiedene Flechtarten des Hefezopfes (von Zweistrang über Vierstrang zu Fünfstrang), was von vielen Aaah’s und Oooh’s begleitet und mit schlechten Handykameras festgehalten wird. Daraufhin werden fleißig und mit Hilfe vieler Drumherumstehender Mohnschnecken ausgerollt. Nun fehlt nur noch der Mohn zum Bestreichen. Aber nein! Was sehe ich denn da?! Das kann doch nicht sein…Ich reibe mir vor Ungläubigkeit über die Augen um zu prüfen, ob ich mich nicht verguckt habe. Doch auch meine Mitmenschen stehen mit vor Entsetzen weit geöffneten Augen da und starren auf die FERTIG-Mohnmischung in der Hand meiner Kollegin. Wie konnte sie es bloß wagen uns eine gekaufte Mohnmischung vorzusetzen?! Und auch noch zu solch einem Anlass! Ein Raunen geht durch den Raum und meine Chefin schüttelt missbilligend den Kopf. Was eine Blamage, was eine Schande…

Ihr denkt jetzt vermutlich, dass wäre mal wieder maßlos überzogen von mir, aber war es nicht. Diesmal wirklich nicht. Mein nächster Gedanke war, dass gleich alle ihre Wellhölzer zücken und auf die abscheuliche Hexe einprügeln würden. (Ok, das war jetzt überzogen.)

Das sind jedenfalls solche Momente, in denen ich einfach gern laut rufen würde Es geht um eine verdammte Mohnmischung, Leute! Ihr werdet deshalb heute noch nicht sterben! (Morgen dann vielleicht, wenn das elende Fertig-Mohn eure Innereien aufgefressen hat, aber für heute gilt der absolut akzeptable und kaum kitsch-verseuchte Spruch: Lebt den Tag, als ob es euer letzter wäre! bzw. weil es euer letzter ist…Tut mir leid, Freunde. Ich kann einfach nicht ernst sein.)

Das sind also bis jetzt so die Erfahrungen, die ich gemacht habe und ich lerne langsam bei solchen Situationen einfach innerlich laut zu lachen, auch wenn es sich dabei eher um ein trauriges Lachen handelt, gemischt mit ein wenig Mitleid den Menschen gegenüber, die noch nie so weit über den Tellerrand geschaut haben um zu bemerken, dass es weitaus schlimmere Dinge gibt als Fertig-Mohn-Packungen.

Haut rein, Guys.

Eure Christophenopelis

Song der Woche: Philipp Dittberner- In deiner kleinen Welt

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